Liebe Freunde ereignisarmer Musik, Dear Friends of uneventfull music,

alle Bohren-Konzerte im Jahr 2020 fallen aus,  all concerts for 2020 are cancelled

Patchouli Blues – Tourdaten 2021

17.04.21   Mainz, Altes Postlager                           
18.04.21   München, Kammerspiele
19.04.21   Wien (A), Grelle Forelle
20.04.21   Regensburg, Alte Mälzerei  (tbc)
21.04.21    Nürnberg, Z-Bau

30.04.21   Leipzig, UT Connewitz
01.05.21    Berlin, Volksbühne
02.05.21    Berlin, Volksbühne

wird fortgesetzt, will be continued

Patchouli Blue
Bohren & Der Club of Gore
Patchouli Blue
Release date: 24.01.20

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Routinen gegen die Routine(n). Wenn Bohren (an)ruft, dann ist es wieder passiert. Auch wenn zwischenzeitlich zwei Fussball-Weltmeisterschaften und zwei Olympiaden Revue passiert sind Will sagen: wenn Bohren ruft, dann ist es Zeit, ein neues Album in etwas Flankierendes, etwas Information einzuwickeln. Und weil Bohren eben Bohren sind, fällt schon einmal circa die Hälfte des für derlei Schreibanlässe entwickelten rhetorischen Materials („sich neu erfinden“, „damit war nicht zu rechnen“, „unerhörter Karriere-Move“) schlicht unter den Tisch. Nein, es geht hier nicht um: wenn gar nichts mehr geht, hilft nur Wiederholung wiederholen. Die Quadratur des Kreises liest sich im Falle von Bohren nämlich so: was tun, wenn man als Band einen wirklich unverwechselbaren und unverkennbaren signature sound entwickelt hat, das einmal erreichte Niveau halten, sich aber nicht wiederholen will? Die Lösung heißt Haltung und meint Arbeit. Arbeit im Studio. Beharren. Verwerfen. Arbeiten an Feinheiten. Präzision. Sorgfältiges Arrangieren. Experimentelle Orchestrierung bei begrenztem Instrumentarium. Vielleicht mal Gesang? Vielleicht eine von Mike Patton gesungene Version eines Warlock-Songs? Ein radikaler Stilwechsel ist mit Bohren – soll man sagen: zum Glück? – nicht zu machen. Was schließlich veröffentlicht wird, muss dem Trio im hochsensiblen Bereich zwingend erscheinen. Mit „Bohren goes Country“ oder „Bohren plays 20 Jazz-Funk-Greats“ ist folglich nicht zu rechnen.
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Gucken wir mal! Etwas mehr als fünf Jahre nach „Piano Nights“ und etwas mehr als 11 Jahre nach „Dolores“ veröffentlichen Bohren & Der Club of Gore ihr nunmehr achtes Studioalbum. Es trägt den ambivalent-verführerischen Titel „Patchouli Blue“ und enthält für die Band ungewöhnlich viele, nämlich 11 Tracks. Die Spieldauer dieser 11 Tracks hält sich dagegen im üblichen Rahmen einer guten Stunde, was natürlich auch impliziert, dass der spezifische Bohren-Vibe einer Auskostung von erhabener Langsamkeit innerhalb kürzerer Zeit etabliert werden muss, um seine ganze Schönheit zu entfalten. Alles wie gehabt also? Eher die Fortschreibung des über Jahrzehnte erarbeitete Level an Verbindlichkeit, das Nuancen produktiv zu machen versteht. In der Sprachwissenschaft findet sich der Begriff der Minimalpaare, in der ein Buchstabe den Unterschied macht. Der Opener des Albums „Total Falsch“ ist ein geradezu idealer Auftakt und gewissermaßen das genaue Gegenteil dessen, was der Titel verspricht. Klassisch Bohren. Je nach Temperament des Zuhörers braucht es vielleicht zweimal vier Töne oder vielleicht doch noch zweieinhalb Minuten, um zu signalisieren: Du befindest dich auf Bohren-Terrain, rechne ab jetzt mit allem! Aber schon der Einsatz der Orgel ist schlicht zum in die Knie gehen, und das Saxophon lenkt dann die behutsam entwickelte Spannung in eine Landschaft, in der man eine Begegnung mit Jan Garbarek nicht mehr ausschließen mag. Es folgen immer weitere Überraschungen. Nicht zu rechnen ist zum Beispiel mit einem echten Hit wie „Deine Kusine“, der geradezu strahlt vor Lichtheit. Oder, gleich darauf, „Vergessen und Vorbei“, der mit Rhythmusmaschine und analogem Synthesizer wie der Soundtrack zu dem John Carpenter-Film klingt, den der zu drehen vergessen hat. Oder die ironisch-unironischen Jazz-Referenzen von „Sollen es doch alle wissen“. Oder diese präzise hindrapierte Melancholie von „Tief gesunken“. Fragt man die Band, dann eignet „Patchouli Blue“ das Mischungsverhältnis: Vier Teile „Bohren klassisch“, drei Teile „Seltsam“ und vier Teile „Jazz-Schleicher“. Zwingend übrigens auch die Sequenz der Stücke von „Total Falsch“ hin zu „Meine Welt ist schön“, das man sich vielleicht am besten etwas trotzig mit Betonung auf „meine“ und/oder „schön“ artikuliert vorstellt. Als Bonus entwerfen die Titel in der Reihenfolge des sequencing auch noch den Schatten einer Geschichte, die man sich je nach Temperament selbst zusammenreimen kann. Meine zum Beispiel wäre etwas schmierig und etwas Fassbinder. Toll auch, sich von den Titeln her das Album als eine Schlagerplatte vorzustellen. Die eine Hälfte „heile Welt“, die andere Hälfte „Abgrund“. Das eine nicht zu haben ohne das andere. Und dazwischen dann der Titeltrack „Patchouli Blue“. Noch nie hatte Bohren einen Titeltrack! Und dieser weist zurück in die Indienläden der 1970er Jahre mit ihren schweren Düften. Wozu dann die ganzen Moog-Synthies ganz gut passen, die mal im Hintergrund, mal im Vordergrund wesen. „Vergessen & Vorbei“? Pustekuchen!

Man sieht: die 11 Klangskulpturen, die Bohren in harter und disziplinierter Arbeit gewissenhaft von jeder überflüssigen Schlacke befreit haben, bieten reichlich Stoff für akustische Entdeckungsfahrten. Jetzt gilt es indes, die Stücke für anstehende Live-Performances zu proben, damit sie auch im Club diese Dichte, Intensität und das Zwingende haben, das ihnen im Studio abgerungen wurde. Denn eines ist mal klar, „Horror-Jazz“ hin oder her, Bohren ist die muckende Jazz-Attitüde des „heute so, morgen so“ wesensfremd. Hier gilt: SO MUSS DAS SEIN. So melancholisch Bohren auch klingen, die Haltung dahinter darf man durchaus als kämpferisch bezeichnen.

Ulrich Kriest

Dear friends of unenventful music,
Bohren & Der Club of Gore
is happy and proud to announce a new release:
Patchouli Blue
Release date: 24.01.20

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Routines versus routine(s). When Bohren call, it’s already happened. Two World Cups and Olympic Games may have come and gone, but Bohren’s arrival on the scene heralds a flanking manoeuvre, time to dive into a new information stream. And because Bohren are, well, Bohren, at least half of the regular rhetorical devices (reinventing themselves; who would have thought: outrageous career move) can be tossed out of the window. No, this is not a case of when all else fails, revert to repetition. In Bohren’s world, squaring the circle looks more like this: what do you do when your band has crafted such a uniquely unmistakable signature sound and the aim is to maintain things at this superlative level without repeating yourselves? The solution can be found in attitude and, by extension, graft. Studio work. Persistence. Revision. Meticulous attention to detail. Precision. Assiduous arrangements. Experimental orchestration with restricted instrumentation. Vocals perhaps? How about a Warlock cover sung by Mike Patton? A radical shift in style is not in the Bohren playbook – as luck would have it, should we say? 
Whatever is ultimately released into the public realm must pass the trio’s most compelling, highly sensitive stress tests. If you are hoping for “Bohren go Country” or “Bohren play 20 Jazz-Funk Greats” … don’t hold your breath.

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Let’s take a closer look! Some five years since “Piano Nights” and a little more than eleven since “Dolores”, Bohren & Der Club of Gore are ready to deliver their eighth studio album. The ambivalent/seductive title is “Patchouli Blue” and there are 11 tracks, more than we have come to expect from them. Nevertheless, playing time adds up to a good hour, which naturally implies that the sublime sedateness associated with the Bohren vibe has to be established in a short space of time in order for it to unfold in all its manifest beauty. Same as you were, then? Rather the perpetuation of unfailing commitment honed over decades which allows nuances to shine, something like the phonological concept of minimal pairs in which a single letter or element can make all the difference. 
The album opener “Total falsch” (Completely Wrong) could not be a better way to begin, pretty much the exact opposite of what the title suggests. Classic Bohren. Depending on the listener’s mood, it may take just the first few notes or a couple of minutes to realise: you’re in Bohren’s world now, anything can happen! The organ alone can knock you off your feet and, as the tension gently builds, a saxophone will draw you into a landscape where Jan Garbarek would not be out of place. One surprise follows another. Flooded with light, the unexpected “Deine Kusine” sounds like a bona fide hit. Next up, “Vergessen und vorbei” could be a John Carpenter soundtrack cut from a film he forgot to make, complete with rhythm machine and analog synthesizer. From the ironic/unironic jazz references of “Sollen es doch alle wissen” to the filigree melancholy of “Tief gesunken” – if you ask the band, “Patchouli Blue” is mixed thus: four parts “classic Bohren”, three parts “strange” and four parts “jazz lurkers”. The track sequence is also worth noting, from “Total falsch” through to “Meine Welt ist schön” (My World is Beautiful), with the emphasis somewhat defiantly placed on “my” and/or “beautiful”. As a bonus, the track sequencing conjures up the shadow of a story which you can illuminate as you like. My story would be a fairly greasy affair, for example, with a shot of Fassbinder. It could also be fun to think of the track titles in terms of a Schlager album, one half representing an “ideal world”, the other half an “abyss” (you can’t have one without the other), separated by the title track “Patchouli Blue”. Bohren’s first ever title track! Taking us all the way back to the heavily aromatic indie clubs of the 1970s, embellished by all those Moog synths in the background (and sometimes in the foreground). “Vergessen & vorbei” (Forgotten and gone)? Not a chance! There you have it: 11 sonic sculptures brought to you courtesy of Bohren’s hard graft and discipline, having rigorously discarded anything which is surplus to requirements to create ample space for acoustic journeys of discovery. The challenge now facing them is to rehearse these pieces for imminent live performances – transposing the intensity, the dramatic density of the studio to the stage. One thing is clear, Bohren could not be further from the jazz muso attitude of “one day this way, the next day that way” – call it horror jazz if you must, but the fact remains: THIS IS HOW IT HAS TO BE. No matter how melancholic they may sound, the Bohren modus operandi is unequivocally combative.

Ulrich Kriest

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